Frankreich – „Savoir vivre“

Die Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich ist das Herzstück Europas. Zahlreiche Errungenschaften durch gemeinsame Abstimmungen und die Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Forschung und Technologie, Kultur und Bildung ermöglichen einen immer engeren Austausch zwischen beiden Gesellschaften.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser, als Generalkonsul der Republik Frankreich in München freue ich mich, Ihnen hier mein Heimatland etwas näherbringen zu können. Frankreich in diesem Artikel komplett und vollständig vorzustellen ist unmöglich – dafür hat Frankreich viel zu viel zu bieten. Dennoch hoffe ich, Ihnen zumindest einen eindruck meiner Heimat zu vermitteln, der Lust auf mehr Frankreich macht. (Generalkonsul Stéphane Visconti)

DAS LAND Für viele gibt es nichts Größeres als Frankreich. Selbst Kritiker können hier nur bedingt dagegenhalten, denn mit fast 546 km2 Landfl äche ist Frankreich der größte Staat in Westeuropa; hinzu kommen die Überseedepartements wie unter anderem Französisch-Guyana, Guadeloupe, Martinique sowie Réunion. Für Generalkonsul Stéphane Visconti ist Frankreich “ein altes Land mit einer enormen Tradition. Zugleich aber auch ein Land der Modernität.”

Seine Empfehlung: “Frankreich selbst erleben; egal ob geschäftlich oder privat.”

In Frankreich, so der französische Generalkonsul in München, gibt es “eine hohe Lebensqualität, eine Lebenskunst, die ihresgleichen in Europa sucht. Nicht umsonst heißt es, Leben wie Gott in Frankreich.” Das Land durchzieht inzwischen ein dichtes Autobahnnetz, das vor allem rund um den Großraum Paris immer enger geschnürt wird. Hervorragend ausgebaut ist der öffentliche Nahverkehr in den Zentren. So ist in Paris z. B. kein Ort weiter als 500 Meter von einer Métro-Station entfernt. Andere Großstädte wie Toulouse, Marseille, Lille oder Lyon wollen nicht hinterherhinken und bauen ihre U-Bahn-Netze sukzessiv aus. Beim Stichwort Bahn fällt in Frankreich im gleichen Atemzug die Buchstabenkombination TGV. Es ist das französische Pendant zum deutschen ICE. Das Netz für die Hochgeschwindigkeits-TGV-Züge ist seit den 1980er Jahren landesweit enorm ausgebaut worden. Viele nutzen das und arbeiten beispielsweise vier Tage in Paris und verbringen drei Tage zu Hause in der Champagne oder der Bourgogne. Nicht zuletzt hat das Internet dazu beigetragen, die Arbeits- und Lebenswelt vieler Franzosen zu verändern.

Rund 75 Millionen ausländische Gäste reisen jedes Jahr nach Frankreich. Dieses Land nimmt seit langem den Spitzenplatz in der Rangliste der meist besuchten Staaten der Welt ein. Kein Wunder, denn es lässt mit seiner einmaligen landschaftlichen Vielfalt und der Nettigkeit der Menschen keine Wünsche offen. Endlose Küsten, hohe Gebirge, romantische Strände, historische Kulturdenkmäler und attraktive Städte, wie die Weltmetropole Paris, verzaubern die Herzen der Menschen. Und bei den Ausfuhren Deutschlands ist Frankreich Handelspartner Nummer Eins.

DIE GESCHICHTE Sie reicht in Frankreich weit zurück; beinahe 500.000 Jahre. Beleg dafür sind Felsmalereien, wie zum Beispiel die in der Höhle von Lascaux, welche aus der Altsteinzeit stammen. Mit am bekanntesten ist – nicht zuletzt durch die Geschichten um Asterix und Oblelix – die Zeit der ‚römischen Besatzung‘ im heutigen Frankreich. Als Vorfahren der Franzosen werden die keltischen Gallier mit ihrer druidischen Religion angesehen. Andererseits sind so gut wie keine gallischen Elemente in der französischen Kultur verblieben. Zahlreiche Schlösser versinnbildlichen hingegen den aufstieg des Königtums im Mittelalter. Zu den einschneidensten geschichtlichen Ereignissen für ganz Europa zählte die von 1789 an zehn Jahre dauernde Französische Revolution. „Auf die Straße zu gehen und zu protestieren, gehörte schon damals zur Vitalität des französischen Volkes“, wirft Visconti ein. „Wir haben unsere Vorstellungen über Gerechtigkeit und wie die Welt aussehen sollte.“ Eingeläutet durch den Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 war die Französische Revolution das erste richtige aufbegehren gegen den Ständestaat und hatte neben der ersten Republik Frankreich auch die Installation der Menschenrechte zur Folge. In den Zeiten der Dritten Republik von 1871 bis 1940 nutzte Frankreich die Möglichkeiten die sich boten, um sein Kollonialreich – teils bis heute sichtbar – massiv auszudehnen. Mit der Ende des 19. Jahrhunderts einsetzenden Industriealisierung gingen ein Wirtschaftsaufschwung sowie drei Weltausstellungen Hand in Hand. Symbol dafür ist bis heute der Eiffelturm in Paris, der anlässlich des hundertjährigen Jubiläums der Französischen Revolution für die Weltausstellung 1889 gebaut wurde. Im zweiten Weltkrieg wurde Frankreich von den deutschen Truppen quasi überrannt. Allerdings keimte der Widerstand. Allem voran Charles de Gaulle, der spätere Chef der Übergangsregierung, war es, der von London aus die Strippen der Exilregierung Freies Frankreich zog und letztlich zusammen mit den Alliierten die Schlacht um Paris im August 1944 für sich und somit Frankreich entscheiden konnte. Das heutige demokratische Frankreich wird seit 1958 als fünfte Französische Republik bezeichnet. Bereits zuvor, 1949, war Frankreich Gründungsmitglied der NATO und 1951 an der Ur-Gründung der heutigen EU beteiligt.

DAS KLIMA Im europäischen Klima-Ranking steht Frankreich im gehobenen Mittelfeld. So liegen die Temperaturen im Jahresmittel bei rund 10°C im Norden des Landes (Lothringen, Jura), sowie bei 16°C an der Mittelmeerküste und auf Korsika sogar darüber. Frankreich ist eingebettet zwischen Spanien im Süden, Belgien im Norden, Italien, die Schweiz, Deutschland und Luxemburg im Osten sowie dem Mittelmeer im Südosten. Allgemein wird in Frankreich von fünf Klimabereichen gesprochen. Der Nordwesten, hier besonders die Normandie und die Bretagne, ist ozeanisch geprägt. Das heißt, die Niederschlagsmengen erreichen dort in den meisten Gegenden 1.000 mm und mehr, die Winter allerdings sind meist mild und schneefrei. Der Nordosten ist kontinental geprägt. Relativ niederschlagsarm ist das Pariser Becken in Zentralfrankreich. Maritime ist das Klima im Südwesten des Landes. In der Nähe der Pyrenäen ist es insgesamt feucht, aber relativ warm und sonnig. Dürren und Waldbrände sind im Südosten Frankreichs, rund um den Mittelmeerraum, keine Seltenheit.

DAS ESSEN Für Generalkonsul Visconti hat der Spruch „Schlemmen wie Gott in Frankreich“ seine Berechtigung. Viele haben diesen Ausspruch bereits gehört und auch befolgt. Wirklich schwer fällt es einem nicht. Die Auswahl ist überwältigend. Die französische Küche gilt seit der frühen Neuzeit als einflussreichste Landesküche Europas. Seit dem 19. Jahrhundert und der Erfindung der sogenannten Haute Cusine, die sich zur französischen Nationalküche entwickelt hat, ist ein mehrgängiges Menü Pflicht. Vor oder in den Restaurants stehen beim Tagesmenü bei jedem Gang üblicherweise zwei bis drei Gerichte zur Auswahl. Nicht zu vernachlässigen sind küchentechnisch die verschiedenen Regionen Frankreichs. In der Normandie, im Nordwesten dominieren Fleischgerichte vom Kalb und Calvados als Getränk. Nicht zu vergessen, die kräftigen Käsesorten wie Livarot oder Camenbert. Karger ist die Landschaft in der Bretagne, was aber nicht bedeutet, dass hier nicht auch bestens aufgetischt wird. Und wenn nichts landläufiges, dann eben Belon-Austern und Hummer aus dem Meer. Als Spezialität ein absolutes Muss sind im Gebiet des Périgord Enten- oder Gänsestopfleber. Selbiges gilt für die ausgezeichneten Kräuter in der Provence. Ein Pflichtbesuch für Weinkenner ist die Bourgogne. Hier sind zahlreiche bekannte Weiß- und Rotweine zu Hause.

DIE WIRTSCHAFT Die Wirtschaftskrise hat das Land stärker ausgebremst als viele zunächst annehmen wollten. Einige Wirtschaftsexperten mutmaßen gar, Frankreich droht den Anschluss in Europa zu verlieren. Ganz so extrem sieht Stéphane Visconti die Lage nicht. “Auf beiden Seiten des Rheins gibt es unterschiedliche Probleme, aber eine gleiche Dynamik. Deutschland und Frankreich arbeiten Hand in Hand. Die Zusammenarbeit und das gegenseitige Verständnis sind von zentraler Bedeutung für die EU .” Mit Blick auf die Wirtschaftszahlen aus Deutschland hat Frankreichs Präsident Sarkozy jüngst den Franzosen, trotz aller Vorbehalte, das aktuelle Deutsche Modell mehrfach angepriesen. Der Grund dafür ist ganz klar: Während die Bundesrepublik wieder als EU-Wachstumslokomotive agiert, stolpert Frankreich noch. Trotz allem schaut Herr Visconti stolz auf sein Land, wenn er sagt: “Leistung und Lebenskunst, das ist Frankreich heute.”

DIE POLITIK Wichtigstes Amt ist seit der Ausrufung der Fünften Republik, und der damit einhergehenden Annahme einer neuen Verfassung am 5. Oktober 1958, das des Staatspräsidenten. Dieses führt seit 2007 Nicolas Sarkozy aus. Anders als in Deutschland gibt es in Frankreich keinen Grundrechtekatalog (Grundgesetz). Vielmehr wird auf die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 und die in der Verfassung der Vierten Französichen Republik festgehaltenen sozialen Grundrechte verwiesen. Aktuell stellt in der Politik die Partei UMP unter Führung des früheren Innenministers und jetzigen Staatspräsidenten Sarkozy die Mehrheit in der Nationalversammlung. Als wichtigstes Vorhaben nannte Sarkozy bei der Amtsübernahme von Jacques Chirac die Stärkung der Kaufkraft der Bürger, flexiblere Arbeitszeiten sowie ein härteres Vorgehen gegen die Kriminalität. Zuletzt brachte er die Massen jedoch durch eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit, sprich ein höheres Renteneintrittsalter, gegen sich auf. Frankreich, das 1949 Gründungsmitglied der NAT O war und derzeit die Präsidentschaft der G20-Länder inne hat, tritt seit Jahren für eine politische Einigung innerhalb Europas ein. So wurde beispielsweise nach dem Zweiten Weltkrieg die Erbfeindschaft zwischen Deutschland und Frankreich angesichts der beiderseitigen Erlebnisse aufgegeben. Seidem gilt Frankreich als der treueste Verbündete Deutschlands und ist – anders als die Bundesrepublik – ständiges Mitglied im UN -Sicherheitsrat.

INSIDE SPECIALS Hier geht es für Generalkonsul Stéphane Visconti ans Eingemachte. Schließlich fällt es ihm, als offiziellen Repräsentanten von Frankreich, nicht so leicht einige Regionen besser und andere wiederum schlechter zu finden. Dennoch sagt er offen und subjektiv: „Ich stamme ursprünglich aus der Limousin, der Gegend von Limoges, einer Partnerregion von Bayern. Ich liebe diese Gegend einfach.“ Und die Begründung des französichen Vertreters in Bayern, der bereits in Sankt Petersburg in Russland als Generalkonsul tätig war, lässt nicht lange auf sich warten. „Die Wälder dort sind wild, sind riesig. Die Farben sind fantastisch. Das Essen ist gut, ebenso der Rhythmus der Zeit. Es ist eine der seltenen Gegenden in Europa, wo man das Gefühl haben kann, dass man den ganzen Tag spazieren geht, ohne andere zu treffen.“ Hinzu kommt für ihn die reine Luft und die intakte Umwelt. „Das mag ich!“, sagt er zufrieden und schiebt sogleich hinterher: „Natürlich bin ich auch gerne in der Bretagne. Vor allem die Inseln sind traumhaft schön.“ Als Beispiel führt er die Bréhat-Inseln in der Nordbretagne an. „Allein die Meeresfrüchte, der frische Fisch, die Luft, der Wind. Einfach fantastisch für Geist und Körper, um mal runter zu kommen und zu entspannen.“ Und dann kommt auch wieder der Diplomat in Stéphane Visconti durch, wenn er sagt, dass „alle Regionen in Frankreich ihren eigenen Charakter haben.“ Oberste Priorität dabei sei es, neue Regionen selbst zu entdecken. Gerade gegenüber Deutschen seien die Einheimischen sehr freundlich. Daneben gelte es bei einem Aufenthalt in Frankreich immer, Paris zu erkunden. Mit rund 55 Millionen Besucherzahlen pro Jahr ist die Metropole mit 12 Millionen Einwohnern weltweit die meistbesuchte Stadt.

Pariser Nachtleben – das „Moulin Rouge“ Das bekannte Varieté wurde im Jahre 1889 erbaut und eröffnet, liegt mitten im Künstlerviertel Montmartre, dem Amüsierviertel von Paris, und ist eine viel besuchte Sehenswürdigkeit. Hier traten bereits Berühmtheiten wie Yvette Guilbert, Mistinguett, Josephine Baker, Maurice Chevalier und Charles Aznavour auf. Auch werden noch heute die beliebten und bunten Werbe-Plakate des Malers Henri de Toulouse-Lautrec gerne gekauft. Die 850 Sitzplätze sind meistens ausgebucht.

FRANKREICH IN DEUTSCHLAND In Deutschland gibt es eine Botschaft der Französischen Republik. Sie befindet sich am Pariser Platz 5 in Berlin und damit ganz in der Nähe des Reichstages. Weiterhin gibt es insgesamt 6 Generalkonsulate (Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, München, Saarbrücken, Stuttgart ) und 8 Honorarkonsulate (Aachen, Bremen, Freiburg, Fürth, Hannover, Köln, Mannheim und Saarlouis). Text: Raimund Bacher

Ausführliche Informationen befinden sich unter: http://www.botschaft-frankreich.de und http://de.franceguide.com

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Posted by LINEA FUTURA

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